Freitag, 11. September 2026, 08:53
Wollt ihr wirklich, dass ich das entscheide?
Ich zitiere mal aus dem Artikel Der Prototyp des modernen CTO:
So sehr ich viele Ansichten von René Wienholtz teile, dem oben genannten widerspreche ich. Nicht, weil ich diese Herangehensweise für falsch halte - im Gegenteil. Sie hat ihre Daseinsberechtigung. Glaubt man allem, was da draußen so in Büchern, Ratgebern, Interviews, "Best practices", Stories von Millionären etc. so steht, könnte man meinen, dass das der einzige auf Dauer richtige Weg ist.
Dem halte ich entgegen: Es gibt einen zweiten Weg, der ebenso seine Daseinsbrechtigung hat. Und das ist der Weg, den ich favorisiere.
Ja, es gibt immer wieder Punkte am gemeinsamen Weg in einem Team, an dem es von der Quote her und von den sachlich-fachlichen Argumenten (um es mal sportlich auszudrücken) unentschieden steht. Es mag sein, dass bis zu einem gewissen Grad gut ist, wenn sich die Betroffenen untereinander einigen - und es wird Situationen geben, in denen das nicht möglich ist. Wenn zwei Seiten ihre Position mit bestem Wissen und Gewissen vertreten, dann wird eine Entscheidung irgendwann unmöglich - zumindest fachlich, und ich glaube fest, dass es dann entweder ein Zufall wird, was gemacht wird (das mag gar nicht immer schlecht sein!) - oder eine Seite gibt nach. Denn die Runden der Überzeugungsarbeit sind an diesem Punkt längst durch.
Ich vertrete daher die Meinung: Dann muss einer von oben entscheiden - in diesem Fall der CTO. Warum? Weil ich auch hier die Aussage "desto weniger technisches Fachwissen und desto mehr soziologisches und psychologisches Gespür braucht es in der täglichen Arbeit" nicht für allgemeingültig richtig halte.
Dass man mehr soziologisches und psychologisches Gespür braucht - d'accord. Aber nicht weniger technisches Fachwissen. Das ist der Punkt, an dem ich am vehementesten widersprechen möchte.
Ich will nicht behaupten, dass es möglich ist, als CTO alles bis ins kleinste Detail zu kennen und v.a. zu können. Mein Team wird und muss gerade in der Tiefe der Themen immer besser sein als ich. Um es mal ganz praktisch zu machen: Ein waschechter Linux-Nerd kennt gefühlt hunderte Tools auf der Shell bis in den letzten kleinen Parameter und baut nachts im Schlaf Konstrukte auf der Shell, bei denen ich beim Lesen garantiert mehr als nur ein Mal hinschauen und nachdenken muss. Und das ist gut so.
Das heißt aber nicht, dass ich mich als CTO aus dem "T" in meiner Rolle verabschiede. Ich muss - und daran glaube ich - in allen relevanten Kerngebieten "drin" und "dabei" sein. Ich muss nicht nur eine grobe Vorstellung davon haben, sondern auch in der Tiefe. Und auch bei Nicht-Kerngebieten. Um auch hier praktisch zu sein: Ich kann schlecht sagen "Oh - Klimaanlage. Keine Ahnung wie das funktioniert. Das machen die Kältebauer.". Wenn ich so denken würde, könnte ich nie kritisch hinterfragen, nie moderieren, nie mal einen Schubs in die richtige Richtung geben.
Nein, ein CTO ist kein allwissender Gott. Das soll und kann er nicht sein. Aber ein CTO, der in der Technik lebt, sehr erfolgreich sein kann, sieht man an Elon Musk. Ich erwähne ihn bewusst, denn er polarisiert aufgrund seiner Einstellung. Ich möchte ihn hier aber bewusst als Techniker-Beispiel zeigen: Für seine Technik-Projekte "lebt" er. Er schläft nachts notfalls im Lager, und er ist einfach "da" und "dabei" und "drin". Ich kenne ihn nicht persönlich
- aber von allem, was man so weiß oder liest: Er ist auch technisch äußerst tief drin. Und dass er damit erfolgreich ist, zeigt sein Kontostand.
Und ich möchte bewusst noch ein Parallelbeispiel zum CTO bringen, das uns allen vielleicht auch auf der persönlichen Ebene abholt, auch die, die mir hier widersprechen werden: Nehmen wir den Chefarzt einer Klinik. Dass der natürlich Bürokratie zu erledigen hat, keine Frage. Aber Hand auf's Herz: Wir erwarten ihn doch in der Regel als ultimativ-kompetenten Arzt, der in weiten Teilen eben alles, was seine Oberärzte etc. erledigen sollen, "kann" - und dass er im Zweifelsfall die komplizierten Dinge macht, dass er entscheidet, dass er "weiß", wenn sich die Ärzte darunter unsicher sind. Auch hier bewusst die Einschränkung: Viele seiner Oberärzte (und Assistenzärzte) werden in der täglichen Praxis in vielen Dingen besser sein. Das soll auch so sein. Und es sollte einen geben, der so viel Erfahrung und "Bauchgefühl" mitbringt, dass er im Fall der Fälle entscheiden kann, um anderen die Last einer Falscheinschätzung abzunehmen, und um seinen Kopf hinzuhalten.
Und genau so sehe ich es auch als meine Rolle als CTO. Manchmal sagt mir mein Bauch "das machen wir lieber so". Das ist oft selbst für mich im ersten Moment nicht 100 % klar, warum mein Bauch mir das so sagt. Hinterher weiß ich es aber fast immer - denn Erfahrung (bei mir mehr als 3 Jahrzehnte) lässt sich kaum aufwiegen.
Je größer die Organisation ist, die man als Manager leitet, desto weniger technisches Fachwissen und desto mehr soziologisches und psychologisches Gespür braucht es in der täglichen Arbeit.
(...) Dann soll ich gegebenenfalls entscheiden, ob das eine oder das andere gemacht werden soll.
Ich sage dann gern: "Wollt ihr wirklich, dass ich das entscheide? Ich kann das natürlich tun, aber wenn ich das übernehme, dann entscheidet das die Person mit dem geringsten Fachwissen am Tisch." Besser ist doch, wenn diese Einigung für einen Weg von den Expertinnen und Experten selbst kommt und mir lediglich zur Reflexion dargelegt wird.
So sehr ich viele Ansichten von René Wienholtz teile, dem oben genannten widerspreche ich. Nicht, weil ich diese Herangehensweise für falsch halte - im Gegenteil. Sie hat ihre Daseinsberechtigung. Glaubt man allem, was da draußen so in Büchern, Ratgebern, Interviews, "Best practices", Stories von Millionären etc. so steht, könnte man meinen, dass das der einzige auf Dauer richtige Weg ist.
Dem halte ich entgegen: Es gibt einen zweiten Weg, der ebenso seine Daseinsbrechtigung hat. Und das ist der Weg, den ich favorisiere.
Ja, es gibt immer wieder Punkte am gemeinsamen Weg in einem Team, an dem es von der Quote her und von den sachlich-fachlichen Argumenten (um es mal sportlich auszudrücken) unentschieden steht. Es mag sein, dass bis zu einem gewissen Grad gut ist, wenn sich die Betroffenen untereinander einigen - und es wird Situationen geben, in denen das nicht möglich ist. Wenn zwei Seiten ihre Position mit bestem Wissen und Gewissen vertreten, dann wird eine Entscheidung irgendwann unmöglich - zumindest fachlich, und ich glaube fest, dass es dann entweder ein Zufall wird, was gemacht wird (das mag gar nicht immer schlecht sein!) - oder eine Seite gibt nach. Denn die Runden der Überzeugungsarbeit sind an diesem Punkt längst durch.
Ich vertrete daher die Meinung: Dann muss einer von oben entscheiden - in diesem Fall der CTO. Warum? Weil ich auch hier die Aussage "desto weniger technisches Fachwissen und desto mehr soziologisches und psychologisches Gespür braucht es in der täglichen Arbeit" nicht für allgemeingültig richtig halte.
Dass man mehr soziologisches und psychologisches Gespür braucht - d'accord. Aber nicht weniger technisches Fachwissen. Das ist der Punkt, an dem ich am vehementesten widersprechen möchte.
Ich will nicht behaupten, dass es möglich ist, als CTO alles bis ins kleinste Detail zu kennen und v.a. zu können. Mein Team wird und muss gerade in der Tiefe der Themen immer besser sein als ich. Um es mal ganz praktisch zu machen: Ein waschechter Linux-Nerd kennt gefühlt hunderte Tools auf der Shell bis in den letzten kleinen Parameter und baut nachts im Schlaf Konstrukte auf der Shell, bei denen ich beim Lesen garantiert mehr als nur ein Mal hinschauen und nachdenken muss. Und das ist gut so.
Das heißt aber nicht, dass ich mich als CTO aus dem "T" in meiner Rolle verabschiede. Ich muss - und daran glaube ich - in allen relevanten Kerngebieten "drin" und "dabei" sein. Ich muss nicht nur eine grobe Vorstellung davon haben, sondern auch in der Tiefe. Und auch bei Nicht-Kerngebieten. Um auch hier praktisch zu sein: Ich kann schlecht sagen "Oh - Klimaanlage. Keine Ahnung wie das funktioniert. Das machen die Kältebauer.". Wenn ich so denken würde, könnte ich nie kritisch hinterfragen, nie moderieren, nie mal einen Schubs in die richtige Richtung geben.
Nein, ein CTO ist kein allwissender Gott. Das soll und kann er nicht sein. Aber ein CTO, der in der Technik lebt, sehr erfolgreich sein kann, sieht man an Elon Musk. Ich erwähne ihn bewusst, denn er polarisiert aufgrund seiner Einstellung. Ich möchte ihn hier aber bewusst als Techniker-Beispiel zeigen: Für seine Technik-Projekte "lebt" er. Er schläft nachts notfalls im Lager, und er ist einfach "da" und "dabei" und "drin". Ich kenne ihn nicht persönlich
Und ich möchte bewusst noch ein Parallelbeispiel zum CTO bringen, das uns allen vielleicht auch auf der persönlichen Ebene abholt, auch die, die mir hier widersprechen werden: Nehmen wir den Chefarzt einer Klinik. Dass der natürlich Bürokratie zu erledigen hat, keine Frage. Aber Hand auf's Herz: Wir erwarten ihn doch in der Regel als ultimativ-kompetenten Arzt, der in weiten Teilen eben alles, was seine Oberärzte etc. erledigen sollen, "kann" - und dass er im Zweifelsfall die komplizierten Dinge macht, dass er entscheidet, dass er "weiß", wenn sich die Ärzte darunter unsicher sind. Auch hier bewusst die Einschränkung: Viele seiner Oberärzte (und Assistenzärzte) werden in der täglichen Praxis in vielen Dingen besser sein. Das soll auch so sein. Und es sollte einen geben, der so viel Erfahrung und "Bauchgefühl" mitbringt, dass er im Fall der Fälle entscheiden kann, um anderen die Last einer Falscheinschätzung abzunehmen, und um seinen Kopf hinzuhalten.
Und genau so sehe ich es auch als meine Rolle als CTO. Manchmal sagt mir mein Bauch "das machen wir lieber so". Das ist oft selbst für mich im ersten Moment nicht 100 % klar, warum mein Bauch mir das so sagt. Hinterher weiß ich es aber fast immer - denn Erfahrung (bei mir mehr als 3 Jahrzehnte) lässt sich kaum aufwiegen.
